Mehr als kalte Füße: Die Fortsetzung einer Liebesgeschichte – Teil 1

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Mehr als kalte Füße    

Der Frühnebel lichtet sich. Wie lange habe ich geschlafen? Ich blinzele aus dem Beifahrerfenster und erkenne, dass wir die nicht enden wollende Autobahn doch endlich verlassen haben.  Das hatte mich sicher auch geweckt. Das Ende der immer gleichklingenden Monotonie. Nach der langgezogenen Kurve schaltet Arne in den fünften Gang und haucht einen Kuss in meine Richtung. Gemütlich ziehe ich die Knie an und erwidere voller Liebe seinen Blick. Da hat er uns durch die ganze Nacht kutschiert, und mich wie eingeschläfert schlafen lassen. Mein Held. Nix mit „wir wechseln uns ja sicher ab“.

Ganz ehrlich: besser so. Schlaf war echt dringend nötig gewesen nach Tagen und Nächten voller konzentrierter Arbeit. Und das Schlafnachholen ging diesmal ausnahmsweise sogar im Volvo. Ich bringe meine Lehne ächzend in aufrechte Sitzposition, entledige mich meiner vor Müdigkeit vergessenen Sneakers, und massiere mir die noch immer schlafenden Füße. Die zwei haben ganz schön hart gearbeitet die letzten Tage. Aber es hat sich gelohnt. Die Leiter der Bliss Dance Academy waren sichtlich begeistert von der Arbeit meines Presenter-Teams. Die jungen skandinavischen Teilnehmer des Dance-Festivals hatten durchweg alle die zweitägigen Abschluss-Prüfungen mit Bravour bestanden. Die Horde Tänzer war gestern Abend zufrieden in alle Himmelsrichtungen verstreut nach Hause gereist, und auch wir haben uns nach der Abschlusskonferenz auf den Weg gemacht. Nicht, wie die meisten anderen Organisatoren und Presenter an die Hotelbar, sondern zu unserem bereits von Arne perfekt bepackten Wagen. Sylt – eine lange Strecke lag zwar vom Festivalort Halmstad/Schweden noch vor uns, aber unsere gemeinsame Auszeit war lange ersehnt. Arne wollte keinesfalls erst am nächsten Morgen  losfahren. So hätten wir doch Vorsprung, bekommen einen halben Tag auf Sylt geschenkt. „Das ist die Vorfreude“ dachte ich schmunzelnd. Er war bei Abfahrt so frisch, voller Tatendrang und Energie. So lies ich es geschehen, und setzte mich ausnahmsweise mal ohne die Emma-typischen Widerworte nahezu handzahm auf den Beifahrersitz. Berieselt vom Beat meines MP3-Players schlief ich schnell und selig ein. Ich träumte vom tanzen. Zwar wachte ich zwischendurch hie und da kurz auf, fiel jedoch immer wieder in einen Schlaf voller Vertrauen in Arnes Fahrkünste. Und nun sollen wir gleich wieder auf Sylt sein. Gute 600 km hinter uns gelassen – einfach so, wie hingebeamt. Begeistert registriere ich, dass wir bereits Skaerbaek passieren. Noch gute zwanzig Minuten, und wir sind am Fähranleger in Havneby. Endlich. Nach 8 Monaten beruflich und Tournee-bedingtem Sylt-Entzug fühlt sich das an wie ein warmer Frühlingsbeginn, Himbeereis und das erblicken eines Regenbogens gleichzeitig.