„Mehr als kalte Füße“ – Eine Fortsetzungsgeschichte: Teil VIII

Dünen

Beim Eintreffen der beiden für uns zum Mittagessen schon fast obligatorischen Espressi, bittet Arne bei der Bedienung um die Rechnung. Gestärkt machen wir uns wenig später wieder auf den Weg, haben wir doch schließlich heute noch einiges vor… In Keitum biegen wir direkt hinter St. Severin in den Kirchenweg, um möglichst lange am nördlichen Küstenverlauf durch Keitum zu radeln. Beim Altfriesischen Haus am grünen Kliff machen wir kurz Halt.

Unbedingt müssen wir einen unserer Lieblingsplätze besuchen und zu Fuß langgehen: die kleine, malerische Steigung vom Altfriesischen Haus bis zum Grabhügel Tipkenhoog. Die Aussicht auf dem kurzen Pfad ist einfach gigantisch. Eben noch dort gespeist, können wir bis zum Hafen Munkmarsch sehen, aber auch noch viel weiter: bei klarer Sicht wie heute sogar bis hoch nach List! Am Tipkenhoog angekommen lassen wir uns auf die Bank nieder und genießen schweigend ein paar Minuten intensives Sylt-Fühlen. Später holen wir  die Räder am Altfriesischen Haus ab und es geht weiter durch den Ort, bis wir über den Gaat und die Koogstraße das alte Schöpfwerk erreichen, welches am südlichen Ortsrand von Keitum direkt am Wattenmeer liegt. Dort lassen wir die Räder zurück.

Der weitere Weg nach Morsum wird wie geplant zu Fuß zurückgelegt, um unsere einzig verbliebene, noch fehlende Wanderroute zu unserer Sylt-Umrundung nun endlich in Angriff zu nehmen. Es ist warm. Die Luft ist für Sylt fast unwirklich windstill, nur ein ganz laues, feines Lüftchen weht. Gute sechs Kilometer Marsch liegen noch vor uns bis wir Nösse und Morsum-Kliff erreichen werden, doch wir gehen beschwingt und leichten Fußes. Von Bienensurren und singenden Feldvögeln begleitet erleben wir ein völlig anderes Sylt, als das, was man im ersten Moment gedanklich damit in Verbindung bringt. Ein Sylt, was mir besonders gut gefällt.

Vor alle dem sind wir bis auf ganz vereinzelte Spaziergänger und wenige Schafe die wir unterwegs treffen fast alleine auf weiter Flur. Das können wir beide besonders gut haben. Endlich mal ab vom Trubel und ständig-präsent-sein-müssen. Südlich vorbei am Ort Archsum umlaufen wir anschließend die Morsum-Odde, bevor wir uns nun vorbei am Golfplatz Richtung Norden zum kleinen Wäldchen zubewegen. Die Bäume spenden erfrischend Schatten, und es ist richtig ungewohnt, auf Sylt Wald und Tannenduft zu riechen. In der Ferne rattert ein Autozug Richtung Festland, so ist auch der Bahnübergang nicht mehr weit.

Nach einer guten halben Stunde weiteren Fußmarschs erreichen wir schließlich das Naturschutzgebiet Nösse. Die Luft flirrt, und wir lassen uns nach den eingepackten Getränken lechzend auf die nächstbeste Bank fallen. Geschafft. Unsere Insel-Umrundung in mehreren Etappen findet nun hier ihr Ende. Ein schöneres Ziel können wir beide uns kaum vorstellen. Über Westen nach Norden geschaut haben wir freie Sicht auf die komplette Bucht bis nach List. Den Blick nach Osten gerichtet, erkennen wir schon die ersten Windräder des Windparks am FriedrichWilhelmLübkeKoog, in knappen 11 km Entfernung: Dem Tor zu „Europa“ wie viele Sylter das Festland nennen.

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