„Mehr als kalte Füße“ – Eine Fortsetzungsgeschichte: Teil VI

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„Lass uns gleich morgen unsere Wandertour von Keitum nach Morsum starten“ will ich gerade sagen, als Arne mir einen gefalteten Zettel zusteckt. „Erst morgen früh nach dem Frühstück öffnen“ sagt er, und drückt gerade noch einen Kuss auf das perlmuttfarbene Papier, bevor ich ihn andächtig einstecken kann. Wir genießen die Stille, die über der Bucht liegt. Die Möwen sind nun abendschwer. Nur ab und an hören wir ein paar noch muntere Abendvögel über uns und in der Heide singen, und uns vom Tag erzählen.

Ansonsten dringt kaum ein Laut herüber. Welch ein Gegensatz zu der Geräuschkulisse in der pulsierenden Schwedenhauptstadt Stockholm, in der wir die letzten Wochen verbracht haben, um unsere Schüler auf die Tanzprüfungen vorzubereiten. Selbst in Halmstad war immer einfach zu viel los, als dass wir dort je ganz zur Ruhe gekommen wären. Unglaublich, dass wir gestern Abend um die Zeit noch dort waren. Und nun Sylt – ein Quantensprung. Es wiederholt sich einfach jedes Mal. Kaum auf Sylt angekommen, tauche ich ab in eine andere, mir sehr vertraute Welt. Alles fühlt sich echt, und ganz natürlich an. Bin gegenwärtig – kann alles Unnötige ausblenden. Spüre einfach, was mir in diesem Moment besonders wichtig ist, und handle danach.

Kein Zufall, dass Arne und ich uns vor Jahren hier auf Sylt das erste Mal begegnet sind. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, anderswo hätten wir nicht so direkt zueinander gefunden. Es hat einfach alles gepasst, vom ersten Moment an. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort, mit dem richtigen Menschen. Oft denke ich daran zurück und bin dankbar, dass ich damals meinem inneren Impuls folgte, mir drei Wochen Auszeit nahm, und nach Sylt reiste. Gleich am zweiten Tag liefen wir uns am Lister Hafen förmlich in die Arme. Wäre dies nur wenige Monate zuvor passiert, hätte er noch in einer höchst komplizierten Beziehung gesteckt, und ich wäre mit den Gedanken ausschließlich beim Businessplan und  der schwierigen Finanzierung meiner Dance-Academy  gewesen. So waren wir beide zum Zeitpunkt des ersten Treffens innerlich frei von Zwängen, dazu noch in beschwingter Sylt-Laune. Nach erstem, eher zaghaften Annähern wurde uns schnell klar, dass aus uns etwas Großes entstehen würde. Und dass wir zudem noch beruflich zueinander passten vervollständigte das Gesamtbild. Mittlerweile leiten wir nun unsere Academy gemeinsam, in perfekter Aufteilung. Arne als künstlerischer Leiter, verantwortlich für alle Trainer und Events. Arne, der alle Castings, zudem auch Sponsorentreffen organisiert, und die Belegungspläne in den Kursräumen erstellt. Ich widme mich neben meiner eigentlichen Arbeit als Choreographin nun auch dem kaufmännischen Part  und zeichne mich ebenso für das Marketing verantwortlich. Eine Kombination, die sich wunderbar ergänzt und Ausgleich schafft. Dass es so einfach, mit Freude und Leichtigkeit geht, das hätte außer uns am Anfang niemand gedacht. Gute vier Jahre sind seither ins Land gegangen, die Dance Academy fährt internationale Erfolge ein, und wann immer wir es uns zeitlich erlauben können, besuchen wir unsere Insel. Sylt. Da wo alles anfing.

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