„Mehr als kalte Füße“ – Eine Fortsetzungsgeschichte: Teil IX (Finale)

Irgendwann müssen mir für ein paar Minuten kurz die Augen zugefallen sein. Glücklich, aber auch müde und erschöpft durch die recht lange Wanderung über Deich und durch die Wiesen, überfiel mich doch eine gewisse Schläfrigkeit. Als ich nach dem kurzen Nickerchen erwache, und mich blinzelnd umsehe, traue ich meinen Augen kaum, als ich neben Cloé, Seb, Theresa und Klaas noch weitere ca. 8-12 unserer Schüler aus der Dance-Academy erkenne.

Und weiter hinten stehen noch mehr Menschen, die alle einen ähnlichen Style tragen. Fetzen meines Lieblingsliedes von Coldplay werden durch den Wind zu mir getragen. Die Menschen tanzen und bewegen sich im Rhythmus der Musik. Von den Holzbohlen-Wegen kommen immer mehr Tänzer herbei, die sich perfekt in die laufende Performance formieren. Eine mitreißende Vorstellung, die mich völlig in ihren Bann zieht. Sie tanzen als erzählten sie eine Geschichte. Ich erkenne Elemente von sich-finden, altes loslassen, neues entstehen lassen, gemeinsam erschaffen. Spüre getanzte, tiefe Sehnsucht, und ich erkenne „die Liebenden“. Es ist die Geschichte von Emma und Arne, unsere Geschichte… „Wir sind gemeint!“ dämmert es mir und ich schau fragend  zu Arne rüber, oder vielmehr dahin, wo er doch gerade noch saß, aber nun nicht mehr zu finden ist. Ich erhebe mich und gehe auf die Tänzer zu. Sie weichen zu den Seiten und eine Gasse wird zwischen den Tanzenden frei.

Die Holzbohlen sind ungewohnt weiß, dazu noch uneben und schimmern. Ein aufgeschütteter Weg aus Crushed Eis! Das Eis klitzert in der Sonne und Janine, eine unserer besten Solistinnen, gibt mir mit Gesten zu verstehen, ich solle die Schuhe ausziehen und mir barfuß den Weg durch die Gasse bahnen. „Na Ihr seid mir lustig“ denke ich noch.  Wird wohl ein Spaß als Dankeschön oder eher auch eine kleine Quälerei zum Abschluss des  Trimesters in der Academy sein. Aber dass sie sich dafür auf den Weg auf die Insel machen – unfassbar! Irgendwie check ich gerade gar nichts mehr.

Na gut, bin ja für jeden Jux zu haben. Die Musik wird lauter, die Menschentraube am Ende des Steges teilt sich in zwei Reihen, und… mitten unter Ihnen, ganz am Ende steht Arne! Er trägt ein Schild, und als ich näher komme, kann ich es lesen: „Wer wird denn nun kalte Füße bekommen! … Egal, und wenn schon: ich wärme sie Dir. Jetzt und immer. Ich liebe Dich. Heirate mich!“ Ich bin von den Socken (hätte ich mal welche an), taumle überwältigt in Arnes Arme, der mich mehr oder weniger auffängt, mich dann festhält, meine rechte Hand in seine nimmt, und dann vor mir auf die Knie geht.

Mit der linken Hand klappt er gekonnt eine schmucke Schatulle auf, ein raffiniert gefasster, recht hochkarätiger Solitaire-Ring funkelt mir beschwörend entgegen. Ich kann nur noch „Ja!“ hauchen, dann fängt sich meine aufgeregte Stimme, und ich rufe für alle hörbar „Ja unbedingt!“ Arne wirbelt mich durch die Luft und betont zwischen Küssen wie glücklich ich ihn mache. Schöner kann es gar nicht sein, und später berichtet mir Arne, dass mein Verlobungsring sogar von der Insel sei. Er hätte ihn vor Wochen bereits in Auftrag gegeben und heute früh als ich noch im Bett war abgeholt – im Sylter Ring-Atelier in List. Dem Laden im hafen7, den ich mir unbedingt während des Urlaubs noch ansehen wollte. Wie unbeschreiblich schön: Ein Ring von Sylt.

Nach Minuten des langsamen Begreifens was gerade passiert ist, wird mir aufgrund der vielen Menschen, die ich nun auch noch kenne, ein wenig bange. Habe ich mich doch auf eine Sylt-Zeit zu zweit gefreut. Wenn ich auch überwältigt bin, was unsere Schüler soeben für uns hier auf die Beine gestellt haben. Mit einem Augenzwinkern gibt mir Arne zu verstehen, dass wir nach dem kurzen Überraschungsbesuch der Schüler-Delegation unsere romantische Auszeit ohne sie – zu zweit fortsetzen werden.

Später bei einem eiskühlen Champagner, den wir auf „unserer“ Bank im Ferienhaus Blidselbucht mit Blick zu unserem Verlobungsort Morsum Kliff genießen, erfahre ich, dass er ihnen zum gemeinsamen Brunch einen schönen Raum im Restaurant Morsum Kliff gemietet hat, bevor es zu einem Strandtag nach Kampen ging, inklusive Yoga-Kurs am Meer. Mittlerweile werden sie dann schon mit der Marschbahn auf dem Weg nach Hamburg sein, wo einige der Tänzer am nächsten Abend für ein kleines Arrangement gebucht sind. Und wir sind allein. Endlich wieder, zu zweit allein. Allein mit vielen Plänen, Wünschen, Sehnsüchten,  denen wir mit jedem Augenblick gemeinsam näher kommen.

-Ende-

www.sylter-ring-atelier.de