Mehr als kalte Füße: Eine Fortsetzungsgeschichte – Teil IV

Der Rest der Fähr-Überfahrt vergeht wie im Flug. Kaum dass wir Havneby hinter uns gelassen hatten, und damit gedanklich auch die anstrengenden vergangenen Wochen und Monate, gewinnt das Stahlkoloss an Geschwindigkeit. Die Menschen am Kai werden kleiner, die Anzahl der Möwen, die über uns kreisen, dafür umso größer. Halten sie doch gebannt Ausschau nach vorfreude-seligen Sylt-Urlaubern, die unaufmerksam mit ihrer Eistüte, Waffel, Crepes oder sonstigem wedeln. Wir lachen auf, als wir mitbekommen, wie der ältere Herr im Nachbarstrandkorb die Reste seiner Waffel-Eistüte mit einer gierigen Möwe teilen muss.

Er lacht mit und freut sich, dass zumindest seine blondgelockte Enkelin verschont bleibt, und  ihr Eis in Ruhe zu Ende genießen darf. „Das ist ja noch schlimmer als mit den roten GOSCH-Tüten!“ ruft er in unsere Richtung. „Selbst diese auffälligen Verpackungen kennen die Möwen, und wissen was Leckeres drin ist. Von wegen – ich war angeln!“  Kein Geheimnis, dass die schlauen Tierchen nach jahrelangem Zufüttern „tierlieber“ Urlauber diese gezielt bejagen. Und nur gut, dass durch gekonnte Aufklärungsarbeit zumindest das unnötige, und für die Tiere gefährliche Füttern von Menschenhand mittlerweile mehr und mehr ausbleibt.

Mein Eis ist ebenso aufgegessen, wie das zweite Bällchen von Arnes Eis, welches er mir mit einem liebevollen Augenzwinkern abgetreten hat. Ich rücke meine Sonnenbrille zurecht, lehne mich genussvoll in den Korb und flüstere meinem Lieblingsmenschen  ins Ohr, wie sehr ich diese Momente herbei gesehnt habe. Endlich Ruhe, weit weg vom Trubel des Alltags. Endlose Weite und Natur – Arne und Emma pur. Nur wenige Minuten später liegt die Sylter Ellenbogenspitze bereits in Sicht. Wir erblicken dort ein paar wenige Menschen, die sich am Flutsaum nach Bernstein und Muscheln bücken, oder einfach mit Muße schlendernd den Moment genießen. An Deutschlands nördlichstem Zipfel.  In der Nähe des Leuchtfeuers List – Ost liegt unser gemeinsamer Lieblingsort. Auch wenn man dort aufgrund der vorherrschenden gefährlichen Strömungen keinesfalls baden darf, halten wir uns dort am liebsten im Urlaub auf. Ein gutes Buch, eine Flauschdecke, ein schöner Wein – und natürlich Arne an meiner Seite … mehr braucht es nicht, um dort Stunde über Stunde das Leben zu genießen. In freier Natur und mit ganz wenig Menschen um uns herum. Den Königshafen streifend sehen wir bald schon die ersten Gebäude von der Ortschaft List vor uns liegen. Die Fähre beschreibt einen großen Bogen um den Hafen herum, bevor sie ihr Ziel erreicht, und am Fähranleger die Luke öffnet. Mit uns im alten Volvo verlassen etliche weitere Wagen, Wohnmobile und sogar ein paar Fußgänger die Syltfähre. Wir reihen uns in die Kolonne ein, biegen am Kreisel ab,  und steuern nach alter Arne-Emma-Tradition auf den Parkplatz am Hafen zu.

Erst mal direkt zu „GOSCH´s Alten Bootshalle“ und dort mit Fischfilets für den Abend eindecken. Schnell haben wir an der großen Wunschtheke unsere Wahl getroffen, den Einkauf noch mit zwei Flaschen Pinot Grigio ergänzt, und uns mit den neuesten Sylt-Zeitschriften eingedeckt. Das fleißige Auspacken der Reisetaschen im Ferienhaus kann beginnen. Als wir durch den Ort fahren bemerken wir schnell, dass sich einiges verändert hat. Neben der katholischen Kirche St. Raphael in der Ortsmitte sind die Läden im Geschäftshaus „hafen7“ bezogen. Zuletzt haben wir das Gebäude noch im Rohbau-Zustand gesehen. Selbst im Vorbeifahren entdecke ich vom Beifahrersitz aus für mich höchst Interessantes. Ein Geschäft mit besonderen Glasskulpturen, die sich mit größter Wahrscheinlichkeit  gut in unserem heimischen Garten machen. Der Laden voller Taschen nebenan hat es mir besonders angetan. Ferner ein schönes Eckgeschäft, welches sich „Sylter Ring-Atelier“ nennt, und wo sich der ansässige Juwelier offensichtlich auf wertigen Fingerschmuck spezialisiert hat. Über alle drei habe ich bereits gelesen und bin mir sicher, dass mir das ein oder andere dort gut gefallen könnte. Eine wetterfeste Jacke beim benachbarten Wind-Store möchte ich mir eh noch besorgen, so wird mich gleich nach dem Einrichten des Ferienhauses meine Entdeckungsreise zurück in die Ortsmitte führen.

www.sylter-ring-atelier.de